Versperrter Aufgang zu einer Terrasse mit einem Schild mit der Aufschrift: Café Sorgenfrei. Darunter ein Schild mit der Aufschrift: Betreten auf eigene Gefahr.

Heilpraktiker für
Psychotherapie

Michael Alkemper

Möglichkeiten der psychosozialen Beratung und Therapie online

Therapeutische Kontakte über Video waren schon vor der COVID-19-Pandemie ein wichtiger Bestandteil der psychosozialen Arbeit. Im Jahr 2020 erleben die Menschen drastische Einschränkungen in vielen Bereichen ihres Lebens, u.a. in der therapeutischen, sozialen und medizinischen Versorgung. Neben den vielen Nachteilen, die diese notwendigen Einschränkungen mit sich bringen, wurde vielen jedoch erst jetzt den großen Nutzen von Online-Face-to-Face-Kontakten mit Patienten per Videochat bewusst. Dabei ist der Einsatz von Videotools in Beratung und Therapie nicht neu. Pilotprojekte der Wohlfahrtsverbände, wie z. B. dem Paritätischen, starteten bereits in den 2000er-Jahren. Diese Projekte erprobten schon damals, welche Möglichkeiten virtuelle Beratungsstellen für die psychosoziale, beratende und psychotherapeutische Arbeit boten. Seit dem hat sich die Technik rasant weiterentwickelt und Datenschutz und -sicherheit gewannen in der Online-Beratung und -Therapie an Bedeutung.

Besonders in ländlichen Gebieten wie z. B. in Ostfriesland oder dem Emsland stellen Beratung und Therapie online mithilfe von Videochat-Diensten einen für viele Menschen niederschwelligen Zugang zu psychotherapeutischen und psychosozialen Angeboten dar. Die Gesundheitskonferenz im Rahmen der Digitalen Woche in Leer 2019 befasste sich ausführlich mit der digitalen Medizin. Ein Fokus lag bei dem Thema Telemedizin und dessen Chancen für den ländlichen Raum. Nur ein Jahr später gehören aufgrund einer weltweiten Pandemie telemedizinischen Angebote zu unserem Alltag.

Vorteile Videochat in Therapie, Beratung, Supervision und Pädagogik

  • Der Kontakt findet in vertrauter Umgebung der Patienten und Klienten statt.
  • Die Termine und Zeiten für Beratung und Therapie lassen sich unkomplizierter in den eigenen Alltag integrieren. Termine können flexibler und zeitnaher vereinbart werden.
  • Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Symptome oder anderer Lebensumstände nicht oder nur eingeschränkt mobil sind, profitieren von dem niederschwelligen Zugang.
  • Es fallen keine Kosten und Zeiten für die Anfahrt zur Praxis an. Neben der Zeitersparnis wird, je nach Art des Verkehrsmittel, ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet.
  • Manche Menschen erheben den Einwand, dass bei einer Online-Beratung und Therapie über einen Bildschirm oder Monitor, gleich ob Smartphone, Laptop, Tablet- oder Desktop-PC, Emotionen nicht gut transportiert werden. Jeder Mensch, der schon einmal bei einem Film gelacht, geweint und mitfieberte weiß, dass dies nicht so ist.

Datenschutz bei der Nutzung von Videotools in Beratung und Therapie

Die für therapeutische und pädagogische Videochat genutzten technischen Systeme müssen den aktuellen Datenschutzvorschriften entsprechen. Das ist Grundvoraussetzung für eine professionelle Arbeit mit diesen Medien.

So gut die Technik und der Komfort von Videochattools wie Zoom oder Skype sind, entsprechen diese nicht den Voraussetzungen des europäischen Datenschutzes. Mit der Entscheidung des EuGH das EU/US-Privacy Shield für unwirksam zu erklären, sind weitere Barrieren aufgetreten, diese Programme im Einklang mit dem europäischen Datenschutzrecht (DSGVO) zu nutzen. Hier empfehlen manche Datenschutzbehörden inzwischen, Videokonferenzdienste selbst zu hosten. Damit liegt die Kontrolle in den eigenen Händen.

Im Jahr 2020 sammelten Praxen für Psychotherapie (Heilpraktiker) und Ergotherapie sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe viele Erfahrungen mit der Nutzung von Online-Angebote. Sie bauten die Möglichkeiten von Videochattools aus und passten sie den eigenen Bedürfnissen an. Online-Angebote sind heute Alternativen und Ergänzungen für Home-Treatment-, aufsuchende und teilstationäre Angebote und zu dem physischen Besuch in einer Praxis. Dabei sollten sie als gleichwertige Kontaktmöglichkeit und nicht als "Notlösung" in Zeiten einer Pandemie gesehen werden. Gerade bei der psychosozialen und -therapeutischen Versorgung bieten Online-Angebote auch Vorteile gegenüber klassischen Face-to-Face-Kontakten. Die fachlich versierten Therapeuten, Heilpraktiker und Pädagogen müssen bei jedem Patienten nach dessen Krankheitsbild bzw. dem Bedarf der Klienten sicherstellen, was die individuell passende Behandlungsform bzw. adäquate Begleitung ist. Ob diese dann (besser) online oder vor Ort erfolgen oder es Mix aus beiden ist, müssen die Fachleute in Absprache mit Patienten und Klienten entscheiden. Dies pauschal zu beurteilen, ist nicht möglich. Es geht bei dieser Entscheidung nicht um ein Entweder-oder sondern darum, Patienten und Klienten in ihren Wünschen und Zielen gerecht zu werden und ihnen eine Behandlung anzubieten, die ihren Bedürfnissen entspricht.

 


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